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Daumenlutschen und der Gebrauch vom Schnuller sind physiologische Selbstberuhigungsmechanismen im Säuglings- und Kleinkindalter. In den meisten Fällen hören diese Gewohnheiten von selbst auf und haben keine bleibenden Folgen. Sofern sie jedoch anhalten, insbesondere noch nach dem dritten Lebensjahr, können sie nachteilige Auswirkungen auf die im Entwicklungsstadium befindlichen Zähne und Kieferknochen haben.

Aus kieferorthopädischer Erfahrung hängt das Risiko von der Intensität, Häufigkeit und Dauer der Gewohnheit ab. In einigen Fällen können die morphologischen Veränderungen, die später zu Bissstörungen führen, bereits im Alter von 18 Monaten beginnen.

Die biomechanischen Auswirkungen von langfristigem Daumenlutschen

Die während dem Daumenlutschen und Gebrauch des Schnullers entstehenden wiederholten Saug- und Druckkräfte, wirken sich vor allem auf die oberen Schneidezähne und den vorderen Teil des Oberkieferknochens aus. Da in diesem Alter sowohl der Alveolarknochen als auch die Kieferknochen eine hohe Elastizität aufweisen, kann die anhaltende mechanische Belastung zu einem allmälichen Knochenumbau und zur Zahnverschiebung führen.

Diese Veränderungen entwickeln sich üblicherweise langsam und symptomlos und können daher oft erst im fortgeschritteneren Stadium erkannt werden.

Vorstehende Schneidezähne

Der permanente Saugeffekt kann zur Verschiebung der oberen Schneidezähne führen. Dies kann Schwierigkeiten beim Lippenschluss, eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit der Frontzähne und Beeinträchtigung bei der Aussprache bestimmter Laute zur Folge haben. Vorstehende Schneidezähne sind bei einem Trauma besonders gefährdet.

Entstehung des offenen Bisses

Im Fall des offenen Bisses treffen die oberen und unteren Schneidezähne beim Zusammenbeißen nicht aufeinander, zwischen ihnen entsteht eine vertikale Lücke. Dieser Zustand kann das Kauen und Schlucken erschweren und auch Auswirkungen auf die Sprachentwicklung haben. Der offene Biss tritt häufig in Verbindung mit anhaltendem Daumenlutschen oder Schnullergebrauch auf.

Kreuzbiss und die Verengung des oberen Zahnbogens

Langanhaltende Daumenlutsch-Gewohnheiten können zur Verengung des oberen Zahnbogens (Gaumen) führen. Infolgedessen können die oberen Zähne beim Zubeißen hinter den unteren Zähnen liegen, was zu einem einseitigen oder beidseitigen Kreuzbiss führen kann. Wird dies nicht behandelt, kann es zu einer seitlichen Verlagerung des Unterkiefers und einer asymmetrischen Kieferentwicklung kommen.

Wie lange gelten Daumenlutschen und Schnullergebrauch als gesundheitlich akzeptabel?

Die meisten Kinder hören zwischen 2 und 4 Jahren von selbst mit diesen Gewohnheiten auf und in diesem Zeitraum entwickeln sich normalerweise keine bleibenden Anomalien bei den Zähnen. Sofern diese Gewohnheiten aber auch weiterhin bestehen, ist die Unterstützung einer schrittweisen, kindergerechten Entwöhnung gerechtfertigt.

Die Bedeutung der frühzeitigen Erkennung

Die frühzeitige Erkennung bietet die Möglichkeit, einen erheblichen Teil der Zahn- und Kieferanomalien zu verhindern oder teilweise rückgängig zu machen. Das rechtzeitige Eingreifen kann die Erforderlichkeit von späteren, komplexeren kieferorthopädischen Behandlungen reduzieren und eine harmonische Entwicklung des Kauens, des Sprechens und des Gesichts fördern.